Obwohl ich Bekanntschaft mit Paulchen Panther erst spät machte, als früher Geborener und fernseherlos aufgewachsen, ist mir der – zum Sprichwort erwachsene – Titel des Eingangsliedes immer wieder im Sinn, wenn ich, in den letzten Jahren häufig, über Manipulation nachdenke. Denn er unterstellt eine Manipulation ruft auf, den Manipulateur zu finden.Der jüngst gelesene Liedtext ist ein Beispiel für eine hervorragende De-Manipulation. Bitte lesen auch Sie ihn zunächst, gehen Sie in Ihr Kind-Ich und stellen Sie sich vor, Sie hörten und sähen zu (oder erinnern sich an damals):

LiedtextKurzkommentar
wer hat an der uhr gedreht?Versuch, das nahe Ende der Sendung durch Feststellung von Manipulation und Suche nach einem Manipulator zu verleugnen. Stellt einen beliebten Abwehrmechanismus [Wer ist schuld?] behutsam in Frage.
ist es wirklich schon so spät?Die Frage stiftet zur Annäherung an die Realität an, „es ist schon spät“ wäre ein Bruch;
soll das heißen ja ihr leut´?mit dem paul ist schluss für heut´!allmähliche Realisierung des nahenden Endes.
paulchen,paulchen mach doch weiterjag das männchen auf die leitersäg und pinsle uns die wändetreibe scherze ohne endeNochmal in den Übergangsraum (zurück)
das Vergnügen, am Jagen, Sägen und Bepinseln der Wände –idenifikatorisch – teilhaben, Scherze (mit anderen) treiben zu dürfen. 
machst ja manchmal schlimme sachenüber die wir trotzdem lachendenn du bist, wir kennen dich,doch nur farb und pinselstrichWissen um Übergangsraum; keine Verwechslung.
wer hat an der uhr gedreht?ist es wirklich schon so spät?stimmt es?(stimmt es)das es sein muss?ist für heute wirklich schluss?Wieder ein allmähliches und überprüfendes Annähern an die Realität
  
Paulchen:“heut ist nicht alle tage, ich komm wieder, keine frage!!“Paulchen als Übergangsobjekt. Das Phantasiesubjekt leiht gleichsam den Programmdirektor und liefert die tröstende Botschaft baldiger Rückkehr.
(Komponist: Fred Strittmatter – ist er auch Verfasser des Liedtextes oder Eberhard Storek, der Übersetzer des ursprünglich stummen Pink Panther?)

Manipulation: Manipulation ist eine kommunikative Einflussnahme, die den Prozess der Willensbildung beeinträchtigt, indem sie ihn abkürzt und den Willen in eine vom Manipulateur bestimmte Richtung lenkt und zu einem entsprechenden Verhalten führt, welches oft den Interessen des Manipulateurs mehr dient als es das frei gewählte Verhalten des Manipulierten getan hätte. Ziele des Manipulateurs sind Zeit zu gewinnen, Widerstand zu unterlaufen; oft, um irgendeinen Gewinn zu erzielen, aber auch, um (selbst-)-schädigendes Verhalten des Manipulierten zu verhindern. Z.B. den Auftragsmörder dafür bezahlen, dass er die Tat unterlässt – Abstiften –,  oder eine Gurtanlegepflicht verordnen.

Das Gegenteil von Manipulieren ist bilden, ent-täuschen, unerwünschte Wahrheiten akzeptieren zu helfen, Gewinn von Einsicht zu fördern, Willensfreiheit zu stärken.

Das Übergangsobjekt im Übergangsraum ist etwas und ist es zugleich nicht. Das erste Lieblingsstofftier ist die Mutter und ist sie nicht, das funktioniert in dem Spielraum – Spiel ist hier Play, nicht Game –, den Winnicott, den Schöpfer dieser Termini und der Begriffe, Übergangsraum nennt, weil das Kind hier seine Omnipotenz über äußere Objekte magisch realisieren kann und gleichzeitig die Differenz von innerem und realen Objekt sowohl realisieren kann wie ertragen lernt. Ein wesentlicher Entwicklungsschritt, der besser gelingt, wenn Phantasie und Illusion in einem Raum sich entfalten können, wo die Realitäten (einschließlich der Zeit) außer Kraft gesetzt zu sein scheinen, ohne verleugnet zu werden. In den Übergangsraum, der von den Spielenden aufgebaut wird, zögern selbst Engel einzutreten, weil das den Übergangsraum leicht zum Einsturz brächte (Bateson & Bateson „Wo Engel zögern“ (1993); entlehnt von A. Pope „fools rush in where angels fear to tread“.) 

„Vom Spiel zur Kreativität“ heißt der Titel dieses Buches von Winnicott – er sieht in diesem frühen „Als-ob“ im Kinderspiel die Wurzel für Kreativität und Kunst, das einen intermediären Bereich zwischen primärer Kreativität und Realitätsprüfung schafft.

Das Tolle im Übergangsraum ist, dass man Königin, Verräter, Prinz, Ungläubige, Amazone und Räuberhauptmann, Adler oder Maulwurf sein kann, was in der Realität unmöglich oder untersagt ist. Dass man Emotionen ausspielen und sich ihrer bewusst werden kann; entdecken kann was man sein oder werden könnte und möchte. Die Welt mit den Augen eines anderen sehen.

Das Lied hilft zum Ausstieg aus diesem Raum und pflegt ihn zugleich, ohne jedoch Phantasie und Realität zu konfundieren. Es hilft beim Spielen und beim Beenden des Spiels, gerade indem es der Entwicklung der Gedanken und der Dynamik der Gefühle Raum gewährt.

In diesem Sinne zu spielen ist höchst rational, weil es die Entwicklung von innerer Freiheit fördert: mehr Alternativen zu sehen, zu prüfen, auszuspielen und darüber zu einer fundierten Realitätsvorstellung, der eigenen inneren wie der äußeren, zu gelangen, eine gute Basis für rationale Entscheidung.