Das Thema des Blogs mag auf den ersten Blick nicht zu den einzelnen Beiträgen passen. Daher liefere ich eine Erläuterung.
Ein Experiment ist ein Versuch, hilft, eine kontrollierte Erfahrung zu machen (experience), die reflektiert werden kann und Aufschluss verspricht, ob bestimmte Tatsachen, Zusammenhänge, Prozesse gegeben sind oder nur imaginiert.
Manipulation beeinträchtigt eine rationale Entscheidungsfindung, was eine wenig rationale Entscheidung wahrscheinlich macht. Diese prozedurale Rationalität betrifft den Willensbildungsprozess. Je offener man für neue Informationen, neues Wissen, seine eigenen Gefühlsregungen und die der anderen ist, je realistischer die Situationswahrnehmung ist, die eigenen Wünsche, Tendenzen, Motivationen registriert und je besser die kognitive und emotionale Prozessen abgestimmt sind, desto wahrscheinlicher wird eine materiell rationale, vernünftige Entscheidung.
Äußere Einflüsse können im günstigen Fall dazu beitragen, das Weltwissen zu vermehren und die innere, kognitive und emotionale Situation aufzuhellen. Sie wirken bildend und resultieren in: Bildung und Einsicht.
Manipulativ sind äußere Einflüsse dann, wenn sie verbilden, eine gegebene Verbildung konservieren oder verstärken – Ignoranz, Verleugnung, Verkennung, Verdrängung, Projektion. Sowohl die Anfälligkeit, manipuliert zu werden als auch die Versuchung, zu manipulieren, korrelieren nicht mit Intelligenz. Karl Landauer, der Begründer des Frankfurter Psychoanalytischen Instituts, später Sigmund-Freud-Institut, hat schon (1929) darauf hingewiesen und Steven Pinker in seinem Buch zur Rationalität (2021) unterstreicht das (obwohl er der Psychoanalyse eher feindselig gegenüber steht).
Anlass, ein De-Manipulationsexperiment zu starten sind Irritation und/oder Unbehagen, zeigen sie doch kognitive oder emotionale Dissonanz an (zwei Seelen wohnen, ach, in meiner Brust), die unbewusst gemacht sind, mindestens bagatellisiert (ist doch nichts Ernstes). Diese Anzeichen verweisen auf unbequeme Wahrheiten, die das Wohlbehagen stören.
Das Experiment beginnt, wenn man sich bequemt, das Unbehagen in Kauf zu nehmen, sich zur Aufrichtigkeit gegenüber sich selbst zu entschließen.
Wenn man die Dissonanzen erforscht, erkennt man, dass man sich in einem Konflikt, innerpsychisch und/oder sozial befindet. Schon die folgende Analyse des Konflikts ist mühsam und zeitraubend, und ihn zu lösen erst recht. Wenn er denn zu lösen ist – muss man doch oft erkennen, dass man unbequemerweise in einem Dilemma befangen ist, dass man es nicht ganz richtig und zumal nicht jedem recht machen kann. Das kränkt die Omnipotenz, wie die Psychoanalytiker das nennen.
Anfangs also ein Selbst-Experiment, eine kontrollierte Selbst-Erfahrung, in der man sowohl die kognitive wie emotionale Dimension und ihr Zusammenspiel erkundet.
Unbehagen, Zeit und Mühe, oft Auseinandersetzungen mit anderen sind Investitionen in Wohlbefinden und Wohlergehen, die sich am Ende in wieder gewonnenem Wohlbehagen auszahlen.
Gewonnene Einsichten mit anderen zu teilen suchen, stellt den zweiten Abschnitt des Experiments dar. Die Reaktionen der anderen geben oft Aufschluss, ob man tatsächlich manipuliert war oder sich in einfachem Irrtum befand. Werden die Ideen schnell und mit emotionaler Beteiligung (abwegig, absurd, unverständlich) beseite gefegt, indiziert das Manipulation, die bei den anderen noch anhält. Natürlich auch, wenn „ja, richtig, habe ich noch nie überlegt“ auftaucht. Bestreitet jemand dagegen die Triftigkeit der behaupteten Einsicht überzeugend, muss man eingestehen, dass man im ersten Abschnitt sich nicht demanipuliert, sondern in einen Irrtum begeben hat.
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